Mein lieber Axel. Mir fehlen einfach immer noch die Worte. Für einen Moment stand die Welt still – und sie tut es irgendwie noch immer.
Ich kann es nicht glauben und nicht verstehen. Seit zwei Wochen stelle ich mir immer wieder die Frage „Warum?“. Vor einigen Tagen hat mir das Universum eine Antwort geschickt. Ich hatte plötzlich einen Song aus unseren wilden 90ern im Ohr: „Nur die Besten sterben jung“
Auch wenn es so unfair ist, dass Du uns zurück gelassen hast. Genau so ist es. Du warst einer der Besten. Man begegnet im Leben nicht vielen Menschen wie Dir. Du hattest die unvergleichliche Gabe deinem Gegenüber direkt in die Seele zu schauen. Du hast einfach immer gewusst, was der Moment erfordert. Sei es ein flotter Spruch, um die Situation zu entschärfen oder auch die Ermunterung den oberflächlichen Kram einfach Beiseite zu lassen, um direkt ans Eingemachte zu gehen. Dabei hat man sich irgendwie nie unwohl, sondern ermutigt gefühlt.
Du bist trotz allem Deinen Weg gegangen. Erfolgreich im Job, geliebt von Deiner Familie und Deinem großen Freundeskreis, geachtet im Ehrenamt. Ein lebensbejahender Mensch für den das Glas immer halb voll war.
Was bleibt
Sind die Erinnerungen und Geschichten, die jeder ganz persönlich mit Dir verbindet.
Für mich sind es diverse Freistunden, die wir in der Aula abgehangen haben. Du hattest schon damals die Gabe mir in die Seele zu schauen und hast relativ schnell gemerkt, dass der Montag nicht gerade mein Lieblingstag ist.
Außerdem unser Klassentreffen in 2014, wo Du im Beisein und mit Erlaubnis von unserer lieben Sekretärin mal eben für 2 Minuten „das Büro vom Chef“ gekapert hast. Das hättest Du Dir wohl zu Schulzeiten nie erträumt, mal auf der anderen Seite vom Tisch zu sitzen.
Und grad letztes Jahr zum Klassentreffen, als wir uns herzlichst über die offiziell ausgewiesene Raucherecke auf dem Schulhof amüsiert haben. Das hätte es zu unserer Zeit auch nicht gegeben.
Es bleiben aber auch die verpassten Chancen! Für weitere gute Gespräche und Treffen in der Eishalle. Vor allem aber das Gefühl, dass wir es nicht geschafft haben mal gemeinsam ein Spiel von „meiner Tribünenseite“ aus schauen.
Was tröstet
Ist die Gewissheit, dass Du Dein Leben mit jeder Faser genossen und gelebt hast. Die vielen Reisen und Partys mit Deinen Freunden. Dass Du Dich selbst nicht zu ernst genommen hast. Ich erinnere mich mit Freude an eines Deiner letzten Bilder aus dem Ally Pally oder auch an das Anbaden am Neujahrstag.
Was fehlt
DU DU DU DU DU DU DU DU DU DU DU DU DU DU DU DU DU DU DU DU DU DU DU DU DU
Danke! Dass ich einen Teil von Deinem Leben streifen durfte. Für alles andere und die nicht gesagten Worte, bediene ich mich unserer Abi-Hymne:
Wind Nord/Ost Startbahn null drei, Bis hier hör‘ ich die Motoren. Wie ein Pfeil ziehst Du vorbei, und es dröhnt in meinen Ohren. Und der nasse Asphalt bebt, wie ein Schleier staubt der Regen, bis Du abhebst und Du schwebst, der Sonne entgegen.
Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, blieben darunter verborgen und dann würde, was uns groß und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein.
Ich seh‘ Dir noch lange nach, seh‘ Dich die Wolken erklimmen, bis die Lichter nach und nach ganz im Regengrau verschwimmen. Meine Augen haben schon, jenen winz‘gen Punkt verloren. Nur von fern klingt monoton, das Summen der Motoren.
Dann ist alles still, ich geh‘, Regen durchdringt meine Jacke, irgendjemand kocht Kaffee in der Luftaufsichtsbaracke. In den Pfützen schwimmt Benzin, schillernd wie ein Regenbogen. Wolken spiegeln sich darin, ich wär gerne mitgeflogen.
(Frei nach Reinhard Mey )
In meinem Herzen, für immer
